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USA Insight – Die Bedeutung von Religion: Gesegnetes Land

2013 US-GESELLSCHAFT – Von Beginn an haben sich die USA als Hort religiöser Freiheit verstanden. Auch heute noch spielt der Glaube eine große Rolle, wenn auch nicht immer spannungsfrei. Von Nora Schmitt-Sausen

Amerikas Südostküste, irgendwo zwischen Charleston und Savannah: Die Fahrt auf dem alten Highway führt vorbei an Baumwollplantagen, dichten Wäldern und Sumpflandschaften. Häuser stehen hier kaum, dafür ragen immer wieder Kirchturmspitzen empor. Plötzlich ein Parkplatz, die Autos dicht an dicht. Kinder toben umher. Gutgekleidete Erwachsene sind ins Gespräch vertieft. Es ist Sonntag, Kirchenzeit, und die Gläubigen strömen in die Gotteshäuser.

Im Süden der USA ist Religion elementarer Bestandteil des täglichen Lebens. Hier leben vor allem evangelikale Protestanten, die sich auf eine extrem enge, wörtliche Auslegung der Bibel berufen, weshalb dieser Teil des Landes auch „Bible Belt“ genannt wird. Seit Ende des Bürgerkriegs ziehen Amerikaner hierher, um ihren Glauben mit Gleichgesinnten leben zu können. Hochburgen sind die Bundesstaaten Mississippi, Alabama und Louisiana. Je weiter nördlich man kommt, umso mehr nimmt die Religiösität ab. In Vermont, New Hampshire und Maine sowie in Oregon, Washington und Alaska leben laut Statistik die wenigsten religiösen Menschen.Vermont erhielt sogar den Stempel „least religious state“.

Doch auch dort spielt der Glaube eine größere Rolle, als er es in manchen Teilen Deutschlands tut. 40 Prozent der Amerikaner bezeichnen sich selbst als „sehr religiös“, gehen regelmäßig in die Kirche und geben an, dass Religion ein wichtiges Element in ihrem Alltag ist. Eine Besonderheit in den USA sind die sogenannten Megachurches, die seit einigen Jahren immer mehr Zuspruch erfahren. Mehrere Tausend, an manchen Orten sogar Zehntausende Gläubige versammeln sich dort zum Gottesdienst. Große Bühnen und viel Technik machen Kirche in den Megachurches zu einem Event.

(Textauszug)

Erschienen in: America Journal 5/2013 (nur Print)